Eginhard Engelke – 35 Jahre im Namen des Handwerks Staffelübergabe

Am 29.03.2019 wurde der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Elbe-Weser, Herr Eginhard Engelke, in den Ruhestand verabschiedet. Nach 35 Jahren Tätigkeit für das Handwerk zieht Eginhard Engelke Resümee: „90 % der Arbeit hat Spaß gemacht“.

Im Rahmen einer Feierstunde mit Vertretern der Politik, Wirtschaft, der Verbände, der Behörden, der Presse, der Kreditinstitute und den Vertretern der Berufsschulen sowie  den Superintendenten des Kirchenkreises übergab Eginhard Engelke die Geschäftsführung an die neue Hauptgeschäftsführerin Yana Arbeiter und Geschäftsführer Ante Brekenfeld in Form der Zentralschlüssel für die inzwischen fünf Geschäftsstellen.

Kreishandwerksmeister Höyns lobte in seiner Rede das besondere Gespür bei der Einschätzung handwerkspolitischer Fragen. Frau Höltkemeier, Geschäftsführerin der Landesvereinigung Bauwirtschaft Niedersachsen, blickte auf viele gemeinsame Arbeitsjahre zurück und lobte Herrn Engelke als „Grandseigneur“.

Die Kreishandwerkerschaft Elbe Weser wünscht Herrn Engelke für den Ruhestand nur das Beste und dankt Ihm für die gemeinsamen Jahre. 


Interview mit dem Osterholzer Kreisblatt „90 Prozent haben Spaß gemacht“

Eginhard Engelke, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Elbe-Weser, geht Ende März nach 35 Jahren in den Ruhestand. In seine Amtszeit fielen große Veränderungen bei den Berufsbildern und vier Fusionen. Über den Zeitpunkt seines Abschieds muss Eginhard Engelke schmunzeln: Dass sein Berufsleben mit dem Brexit-Datum ende, sei reiner Zufall, so der 65-Jährige.

Herr Engelke, nach 35 Jahren als Geschäftsführer bei der Kreishandwerkerschaft gehen Sie in Kürze in den Ruhestand. Wer oder was hat Sie damals zum Handwerk gebracht?

Eigentlich war das ein Zufall. Am Ende meiner Ausbildung als Referendar bei Rechtsanwalt Dr. Klaus Grantz in Verden bin ich auf eine Ausschreibung gestoßen, die am Landgericht ausgehängt war: Die Kreishandwerkerschaft Verden sucht einen neuen Geschäftsführer. Dr. Grantz sagte, „Mensch, Herr Engelke, das ist doch ein Job, der zu Ihrem Naturell passt. Sie können mit Leuten umgehen, und Sie kommen hier aus der Gegend.“

Es gab also keine Prägung in Richtung Handwerk, vielleicht vom Elternhaus her?
Ich komme aus der Landwirtschaft, da ist das Handwerkliche nicht ganz so weit weg. Ich habe mich also vorgestellt und einen Tag vor meinem 30. Geburtstag den Vertrag unterschrieben. Da konnte ich mir noch nicht vorstellen, dass es 35 Jahre werden. Vier Wochen nach meinem ersten Arbeitstag habe ich mein zweites Staatsexamen gemacht.

Was sind denn die Schlüsselqualifikationen auf diesem Posten? Ein Laie würde annehmen, dass eher technisches oder kaufmännisches Wissen gefragt ist als juristisches…
Heute sind fast alle Geschäftsführer Juristen, meine beiden Stellvertreter auch. Laut unserer Satzung betreuen, beraten und vertreten wir unsere Mitgliedsbetriebe in arbeits- und sozialrechtlichen Fragen. Für jede unserer Innungen gibt es einen eigenen Tarifvertrag, und diese Bestimmungen müssen wir mitunter auch erklären. Und wenn es Stress gibt zwischen Handwerksunternehmern und Mitarbeitern, dann müssen wir zur Not unsere Betriebe auch vorm Arbeitsgericht vertreten.

Machen diese Konflikte einen Großteil Ihrer Arbeit aus?
Nein, die Arbeit besteht eher darin, Stress überhaupt erst mal zu vermeiden, indem wir unsere Betriebe vernünftig informieren. Über die Datenschutzgrundverordnung oder Änderungen im Werkvertragsrecht  haben wir Seminare abgehalten. Dann gibt es die Umweltgesetze. Es ist ein großes Aufgabenspektrum, da ist eine breite juristische Grundausbildung nicht schlecht. Ein Jurist kann sich schnell in alle möglichen Situationen reindenken.

Wenn Sie zurückdenken, an welche Meilensteine erinnern Sie sich vor allem?
Spannend war gleich in meinem zweiten Jahr der Tag der Niedersachsen. Da haben wir eine große Ausstellung gemacht. Ich hatte von sowas kaum eine Ahnung, aber mithilfe einiger Handwerksmeister haben wir es hingekriegt. Auch der Bundespräsident hat uns besucht. Wenig später kam der Gedanke auf, das Haus des Handwerks in Verden deutlich zu erweitern. Das war 1988 auch eine neue Erfahrung. Kaum hatten wir das fertig, kam die Wende, das war eine ziemlich spannende Zeit.

Inwiefern?
Wir haben eine Partnerschaft mit dem Kreis Havelberg in Sachsen-Anhalt begonnen und noch zu Zeiten der DDR dabei geholfen, einen Unternehmensverband von einigen Selbstständigen dort zu gründen. Dann kam die Wiedervereinigung, und wir haben versucht, die Handwerksorganisation dort zu unterstützen und neu zu strukturieren. Wir sind viel vor Ort gewesen und haben auch Handwerker von dort zu uns eingeladen.

Und dann wurden Ende der Neunzigerjahre in Verden und Osterholz erste Fusionspläne geschmiedet. Warum eigentlich?
Weil sich die Strukturen im Handwerk im Laufe der Zeit doch stark geändert hatten.

Was meinen Sie damit?
Als ich anfing, gab es im Kreis Verden 50 backende Betriebe. Heute sind es noch zwölf. Bei den Fleischern ist es ähnlich. Es war abzusehen, dass in einigen Bereichen die Innungen zu klein werden, um auf Kreisebene noch vernünftig arbeiten zu können. Außerdem haben sich die Mittel und Wege der Kommunikation verändert. Als ich anfing, bekamen wir gerade die erste EDV-Anlage und das erste Faxgerät. Heute kommt es nur selten vor, dass die Tür aufgeht und ein Handwerker steht mit einer Frage am Schreibtisch. Da wird gemailt oder angerufen. Darum wurden Fusionen in ganz Niedersachsen notwendig. Manche Berufe sind selten geworden oder haben sich stark verändert: Schuhmacher, Schneider, Fotografen, Buchbinder und Buchdrucker.

Bedeuten weniger Mitgliedsbetriebe auch weniger Schlagkraft, Durchsetzungsvermögen, Öffentlichkeit?
Zumindest ändern sich die Strukturen. Wenn die Innungen zu klein werden, hat das Auswirkungen auf die Kreishandwerkerschaft. Wenn wir nicht reagiert hätten, um diese Innungen unter unserem Dach zu behalten, wären sie eingestellt worden. Die Raumausstatter oder Schuhmacher, die zu meiner Anfangszeit vor 35 Jahren noch sehr aktuell waren, gibt es praktisch nicht mehr. Manchmal hat es sich ergeben, dass ein Kollege in den Ruhestand ging. Dann hat man sich zusammengetan, statt einen neuen Geschäftsführer zu suchen.

Wo drückt die Firmen der Schuh besonders?
Im Großen und Ganzen ist die Situation im Moment ganz erfreulich. Ein Problem ist, dass viele ältere, erfahrene Mitarbeiter in den Betrieben nun allmählich in den Ruhestand gehen und dass es gar nicht so einfach ist, diese wertvollen Mitarbeiter und ihr Know-how durch jüngere Kräfte zu ersetzen. Dabei bilden wir im Handwerk viele junge Leute aus.

Wie viele Nachwuchskräfte gibt es denn – und sind es auch genug?
Im Moment haben wir 3400 Auszubildende, über alle Lehrjahre betrachtet. Das ist eine ganze Menge und einer unserer Hauptarbeitspunkte. In jedem unserer Büros haben wir einen Mitarbeiter, der sich nur um Lehrlingsfragen kümmert. Das entwickelt sich ganz erfreulich: Übers ganze Jahr gesehen, haben wir 2018 eine fünfprozentige Steigerung der Ausbildungsverträge gehabt, nachdem es jahrelang immer ein bisschen runterging.

Woran liegt diese Steigerung?
Die jungen Leute merken, dass man sich im Handwerk auch selbst verwirklichen kann; dass man Aufstiegschancen hat, man kann Meister werden oder Betriebswirt des Handwerks; man kann sich selbstständig machen oder als angestellter Betriebsleiter tätig werden, man kann sich zum Polier hocharbeiten, zum Vorarbeiter. Es ist eine viel individuellere Beschäftigung, als in einem Industriebetrieb ständig die gleichen Sachen zusammenzuschrauben. Dieses Abwechslungsreiche, Familiäre, Kleinbetriebliche scheint für junge Menschen interessant zu sein.

Handwerker haben ja allgemein keinen so guten Ruf. Alles nur Vorurteile?
Das Handwerk hat mit Image-Problemen zu kämpfen, und deswegen haben wir seit einigen Jahren eine ansprechende bundesweite Kampagne. Hinzu kommt, dass die jungen Menschen sehen, dass im Handwerk in den letzten Jahren immer gut Arbeit da war, dass sichere Arbeitsplatze da waren. Die Löhne und die Ausbildungsvergütungen sind auch ordentlich gestiegen, stärker als im öffentlichen Dienst, wenn auch von Beruf zu Beruf sehr unterschiedlich. Im Großen und Ganzen hat das Handwerk deutliche Verbesserungen auf die Reihe gekriegt.

Hadern Sie noch mit der Novelle des Handwerksrechts 2004?
Dass viele Berufe aus der Meisterpflicht rausgefallen sind, halte ich für eine sehr bedenkliche Entwicklung. Nehmen wir die Fliesenleger. Eigentlich ist das eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit, wo es nicht nur darum geht, irgendwelche Fliesen an die Wand zu kriegen. Aber jeder, der keine Ahnung hat, könnte nun einen Zettel ausfüllen und dann sagen: „Ich bin eingetragener Fliesenleger.“ Der Kunde sieht ja nicht, ob einer sein Handwerk versteht. Wenn da aber steht „Fliesenlegermeister“, dann kann er davon ausgehen, dass derjenige bestimmte Grundvoraussetzungen beherrscht. Diese Reform der Handwerksordnung hat zu Verwerfungen geführt - und auch dazu, dass in diesen Berufen kaum noch ausgebildet wird, weil kein Meister mehr da ist, der ausbilden kann. Auch wenn es natürlich noch richtig gute Fliesenlegerbetriebe gibt.

Zum Schluss ein Blick voraus: Was macht Eginhard Engelke im Ruhestand?
Ich werde mich mehr um die Jagd kümmern; ich bin seit ewigen Jahren Jäger und Mitpächter eines Jagdreviers in Hoyerhagen. Mein Jagdhund freut sich bestimmt, wenn ich mehr Zeit für ihn habe. Mein Kollege Jürgen Böckmann aus der Kreishandwerkerschaft Lüneburger Heide geht jetzt auch in den Ruhestand. Er kommt ebenfalls aus Hoyerhagen, ist Jäger und Mitpächter und hat auch einen Hund. Da werden wir öfter zu viert unterwegs sein. Außerdem bin ich bei Rotary aktiv und kann mich da vielleicht mehr engagieren. Langeweile wird jedenfalls nicht aufkommen.

Und im Rückblick, wie fällt da Ihr Fazit aus?
In der Rückschau würde ich sagen: 90 Prozent der Arbeit haben Spaß gemacht, zehn Prozent waren Generve. Das ist doch eigentlich eine ganz gute Quote.

Das Interview führte Bernhard Komesker
(Quelle: Osterholzer Kreisblatt)

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