Regeln der WanderschaftDie Tradition der Wanderschaft ist über die Jahrhunderte nahezu unverändert geblieben

Viele Regeln gehen auf mittelalterliche Bräuche zurück. Je nach Schacht existieren darüber hinaus weitere, schachtinterne Regeln, die nur innerhalb der jeweiligen Gemeinschaft weitergegeben werden.

Im Kontext der traditionellen Wanderschaft (der sogenannten „Walz“) ist ein Schacht eine über Jahrhunderte gewachsene, bruderschaftliche Vereinigung von Handwerkern. Ähnlich wie Zünfte oder Studentenverbindungen organisieren und betreuen diese Vereinigungen die reisenden Gesellen und bewahren die strengen, traditionsreichen Regeln der Wanderschaft.

Der Schacht dient als wichtiges soziales Netzwerk. Er unterhält beispielsweise Herbergen, in denen reisende Gesellen unterkommen können, und hilft ihnen dabei, Arbeit in verschiedenen Betrieben auf der ganzen Welt zu finden.

Jeder Schacht pflegt eigene interne Bräuche, Verhaltenskodizes und Traditionen. Dazu gehören strenge Regeln für das Verhalten auf der Reise, die Kleiderordnung sowie die Aufnahme neuer Mitglieder:

 Kein Handy und kein Internet

  • Keine internetfähigen Geräte wie Handy, Tablet, Laptop oder Smartwatch.
  • Verzicht auf aktive Social-Media-Profile.
  • Kontakt zur Familie kann gegebenenfalls per E-Mail über Internetcafés erfolgen. 

Kein eigenes Auto

  • Reisen mit dem eigenen Auto sind nicht gestattet.
  • Das Fahren eines Firmenfahrzeugs während der Arbeit ist erlaubt.
  • Die Fortbewegung erfolgt überwiegend durch Wandern, Trampen oder andere Reisemöglichkeiten. 

Schuldenfrei

  • Vor Beginn der Wanderschaft darf der Geselle bzw. die Gesellin keine Schulden haben.
  • Die Wanderschaft soll nicht dazu dienen, sich gesetzlichen Verpflichtungen oder Gläubigern zu entziehen.

Keine Frau bzw. kein Mann, keine Kinder

  • Der Wandergeselle bzw. die Wandergesellin muss ledig und kinderlos sein.
  • Niemand soll auf sein Einkommen angewiesen sein.
  • Single muss man nicht sein, jedoch sollten Verlobte oder Verheiratete nicht auf Wanderschaft gehen. 

Ohrring ist Pflicht / Bedeutung des Ohrrings

  • Jeder Wandergeselle trägt mindestens einen Ohrring.
  • Früher bestand dieser aus Gold und konnte im Todesfall die Bestattung finanzieren.
  • Heute dient er als Erinnerung an diese Tradition.

Ursprung des Begriffs „Schlitzohr“

  • Gesellen, die gegen geltende Regeln verstießen oder Straftaten begingen, wurde der Ohrring herausgerissen.
  • Dadurch war für alle sichtbar, dass sie ihre Ehre verloren hatten. 

Bannkreis / Bannmeile

  • Der Bannkreis wird individuell auf einer Landkarte eingetragen.
  • Nach dem Verlassen der Heimat darf der Geselle seinem Heimatort nicht näher als 50 km kommen.
  • Auch das Durchqueren des Bannkreises ist nicht erlaubt.

Kleidungsvorschriften / Die Sponkluft

Die traditionelle Arbeitskluft besteht typischerweise aus einer weiten Schlaghose, einer Weste mit acht Knöpfen (für die 8-Stunden-Schicht) und einer traditionellen Jacke.

In der Öffentlichkeit ist der Wandergeselle an seiner Reisekleidung zu erkennen:

  • Zimmererhose mit großem Schlag
  • Staude
  • Weste
  • Jackett
  • Hut
  • Gepäck
  • Stenz (Wanderstab)

Die Farben und Materialien variieren je nach Gewerk:

  • Schwarz: Für Holzberufe (z. B. Zimmerer) aus robustem Kord- oder Pilotstoff.
  • Grau: Für Maurer und andere steinverarbeitende Berufe.
  • Blau: Für Metallberufe.
  • Beige/Braun: Für Berufe mit viel Sand (z. B. Steinsetzer). 

Die Kluft darf nur abgelegt werden:

  • im privaten Bereich,
  • beim Sport,
  • an Gewässern aus Sicherheitsgründen.

Gesellenbrief vorzeigen

  • Voraussetzung für die Wanderschaft ist eine bestandene Gesellenprüfung.
  • Dies gilt unabhängig vom ausgeübten Handwerk.
  • Der Meistertitel wird häufig erst nach der Walz erworben.

Ausgeschenkt ist ausgeschenkt

  • Geschenkte Speisen und Getränke werden grundsätzlich angenommen.
  • Ausnahmen gelten bei Allergien oder Unverträglichkeiten.
  • Hat der Geselle bereits gegessen, versucht er dennoch die angebotene Speise anzunehmen.
  • Deshalb ist es üblich, vorher nach dem Hunger des Wandergesellen zu fragen.

Zünftig soll er bzw. sie reisen

  • Jeder Wandergeselle bzw. jede Wandergesellin soll sich so verhalten, dass auch zukünftige Wandergesellen willkommen sind.
  • Respektvolles und ehrenhaftes Auftreten gehört zu den Grundsätzen der Wanderschaft.

 

 

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