So gelingt der Quereinstieg / Teil 2 Mund-zu-Mund Propaganda zählt
Die beste Werbung sei am Ende – jenseits von Facebook, Instagram & Co. – die Mund-zu-Mund-Propaganda durch unsere jungen Nachwuchskräfte. „Wenn die in ihrem Umfeld erzählen, wie toll das Arbeiten bei uns ist, dann ist das schon die ‚halbe Miete‘“, so Martina Rybakowski von Elektro von Spreckelsen.
Aktuell sind fünf Azubis dabei, zwei im Bereich Heizung/Sanitär, drei im Elektrobereich (ganz neu seit dem 1. August ein Azubi „aus dem eigenen Dorf“).
Als Quereinsteiger kann auch Firmenchef Peter von Spreckelsen gelten, von Berufs wegen Diplom Politologe, der im Rahmen der Familienzusammenführung (als Ehemann von Martina Rybakowski) – sein Bruder Jens ist Elektromeister – insbesondere die Büroarbeit koordiniert.
Viele Wege führen bekanntlich am Ende zum Ziel – so war es auch bei einem weiteren Kollegen im Team von Spreckelsen. Nikolas Huse hatte bereits eine wissenschaftliche Ausbildung als Bachelor der Chemie absolviert, bevor er bei dem Osterbrucher Betrieb anheuerte. Er war eher unglücklich bei dem Gedanken, die kommenden Berufsjahre in irgendeinem Labor zubringen zu müssen. Nicht ganz unbeleckt, zumal der Vater selbst Handwerker aus der Elektrobranche ist, machte sich Nikolas auf den Weg, und suchte gezielt die praktische Ausbildung. Bei von Spreckelsen rannte er damit offene Türen ein – und konnte aufgrund seines Engagements und der Leidenschaft für die Tätigkeit die Ausbildung insgesamt deutlich verkürzen.
„Das passte fachlich und auch menschlich einfach super gut“, fasst Rybakowski zusammen. In einem Handwerksteam, wo jeder auf jeden angewiesen ist, sei gerade Letzteres, nämlich der zwischenmenschliche Austausch, sehr wichtig, weiß Rybakowski aus früheren Erfahrungen. Denn nicht immer klappe die Zusammenarbeit, erinnert sich die Obermeisterin der Elektroinnung Cuxhaven – Land Hadeln an eine Prüfungssituation. Eine Abiturientin habe ihre Aufgabe nicht erledigen können, da ihr ein Sägeblatt fehlte – und niemand aus der Runde der weiteren Azubis ihr helfen wollte. Bei denen sei Sie als eher arrogant verschrien gewesen, die Situation habe die junge Frau aber zum Nachdenken gebracht – und am Ende nach wiederholter Prüfung war dann alles gut.
Quereinsteiger sind oft sehr motiviert
Angesichts des Fachkräftemangels ist die Offenheit der Betriebe für den Quereinstieg ein Baustein von vielen. Auch Berufsabbrecher haben ihre unterschiedliche Geschichte, warum sie ihre Ausbildung frühzeitig beendet haben. Die Motivation für den selbst gewählten neuen Ausbildungsweg sei bei Quereinsteigern häufig besonders hoch, so Obermeisterin Martina Rybakowski.
Nicht immer sind die Noten entscheidend, für eine spätere erfolgreiche Arbeit im Handwerk. Einmal angekommen, seien aber viele berufliche Chancen bis hin zur eigenen Selbständigkeit möglich, so Rybakowski.
„Uns sind bisher die meisten Auszubildenden quasi zugelaufen, aktuell haben wir den Sohn von einem befreundeten Betriebsinhaber aus Osterbruch als Lehrling eingestellt.“ Vor jeder Einstellung mit Ausbildungsvertrag steht laut Rybakowski allerdings das Praktikum, wo ganz genau geschaut wird, wie es mit der Motivation und dem Einfügen in die bestehende Gemeinschaft bestellt ist.
Der Firmenname von Spreckelsen GbR Elektro - Heizung - Sanitär ist zudem im Land Hadeln und drumherum als Top-Marke bekannt. Sei es das Duhner Wattrennen, der Sommerabend am Meer oder das Otterndorfer Altstadtfest – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei von Spreckelsen sorgen u.a. für ausreichende Stromversorgung bei derartigen wiederkehrenden Großfesten. Unsere Begeisterung für die Arbeit im Gewerk im Umgang mit Wärme, Elektro, Sanität & Co. scheint sich schnell rumzusprechen, freut sich Rybakowski.
Generell wünscht sich die engagierte Fachfrau ein Umdenken in der Gesellschaft – ein Leben ohne Studium sei durchaus möglich und attraktiv, zwinkert die Elektromeisterin, Obermeisterin der Elektroinnung Cuxhaven sowie Fachbereichsleiterin Elektrotechnik im Landesinnungsverband Niedersachsen/Bremen.
Insbesondere Schulen, die die Schülerinnen und Schüler aufs Leben vorbereiten sollen, könnten nach dem Verständnis von Rybakowski das Spektrum der Berufsorientierung gern ein wenig mehr in Richtung Handwerk und dessen hervorragende Perspektiven richten. Einerseits würden die Aufgaben zunehmend anspruchsvoller, andererseits sei für Gymnasiasten nicht zwangsläufig das sich anschließende Studium – wie auch in den Köpfen vieler Eltern – das alleinige Mittel, um beruflich durchzustarten. Rybakowski: „Die immer komplizierteren Aufgaben in der Betriebsführung und auf der Baustelle, können durchaus eine Herausforderung für Gymnasiasten sein.“
Die Schule Am Dobrock, Ganztagsschule mit gymnasialem Angebot in Cadenberge, ist nach Aussage von Rybakowski ein gutes Beispiel, wie berufsorientierte Veranstaltungen auf Augenhöhe aller Teilnehmenden funktionieren könne. „Hier findet einmal im Jahr der Austausch zwischen Betrieben und dem Nachwuchs statt, und die Handwerksbetriebe aus der Umgebung sind gern gesehene Gäste. Generell ist aber wohl laut Martina Rybakowski weiter angesagt, mit dünnem Bohrer kontinuierlich dicke Bretter zu bohren.


